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Palermo Shooting
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Palermo Shooting ist ein Spielfilm des deutschen Regisseurs Wim Wenders aus dem Jahr 2008. Der Film, der hauptsĂ€chlich in DĂŒsseldorf, Palermo und Gangi gedreht wurde, setzt sich mit der VergĂ€nglichkeit des Seins auseinander. Weltpremiere war am 24. Mai 2008 auf den 61. Filmfestspielen von Cannes, wo die Produktion im Wettbewerb um die Goldene Palme lief, jedoch unprĂ€miert blieb. Kinostart in Deutschland war am 20. November 2008.

Wenders erzĂ€hlt in dem Psychodrama die Geschichte eines Fotografen, der sich beruflich auf dem Höhepunkt des Erfolgs befindet, vor lauter Lebensangst und Unruhe jedoch den Zugang zur RealitĂ€t verloren hat. Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens begibt er sich nach Palermo, wo er durch die Begegnung mit dem Tod, als personifizierter Figur, eine neue Perspektive fĂŒrs Leben erhĂ€lt. Elementar fĂŒr den Film ist die Musik, welche die Hauptperson stĂ€ndig ĂŒber Ohrhörer begleitet.

Gewidmet ist der Film Ingmar Bergman und Michelangelo Antonioni, die beide am 30. Juli 2007 starben, und die Wenders als seine Vorbilder sieht.

Contents

‱ Handlung
‱ Palermo
‱ Gangi
‱ Entstehung
‱ Musik
‱ Titelliste
‱ Drehorte
‱ Darsteller
‱ Kritiken
‱ Weblinks

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Handlung

DĂŒsseldorf

Finn ist ein international erfolgreicher Fotograf. Er hat ein großrĂ€umiges Atelier in einem GebĂ€ude im DĂŒsseldorfer Medienhafen gemietet (tatsĂ€chlich steht das markante GebĂ€ude, ein Entwurf des japanischen ArchitekturbĂŒros SANAA, in Essen). Mehrere Angestellte arbeiten fĂŒr ihn, organisieren seine Ausstellungen und folgen seinen Anweisungen bei der digitalen Bildbearbeitung seiner Fotografien.

Ein Manager und ein Berater koordinieren seine Termine. DemnĂ€chst sollen seine Bilder in SĂŁo Paulo ausgestellt werden in einem Museum, das ein gesamtes Stockwerk dafĂŒr zur VerfĂŒgung stellt.

Prof. Finn Gilbert doziert zudem an der Kunstakademie. Mit einer Studentin streitet er sich heftig, da sie seine Meinung, Fotografien bekÀmen erst durch digitale Bearbeitung eine Aussage, nicht teilt.

Finn trĂ€gt seinen PDA stĂ€ndig mit sich herum und hört Musik, wann immer es ihm möglich ist. ZusĂ€tzlich trĂ€gt er stĂ€ndig eine Kamera bei sich und „schießt“ damit auf alles in seiner Umgebung.

Seine Exfrau hĂ€lt sich nach der Trennung nicht an die Vereinbarungen und bewohnt weiterhin sein Haus. Deshalb verbringt Finn die meisten NĂ€chte im Atelier, auf Partys oder im BĂŒro des Managers. Finn kommt nicht zur Ruhe. Schlaf hĂ€lt er fĂŒr verlorene Zeit. Er verstrickt sich in Gedanken, trĂ€umt viel ĂŒber die schwindende Zeit und den Tod, vor allem weil seine Mutter, an der er sehr hing, erst vor kurzem verstarb. Die Angst vor Wasser, die seine Mutter ihm als Kind ĂŒbertragen hat, ist fĂŒr Finn ebenfalls zum Problem geworden.

Gegen den Rat seines Managers widmet sich Finn zudem der kommerziellen Modefotografie. Nach einem hektischen Modeshooting im DĂŒsseldorfer Hafen begutachtet er zusammen mit Milla die Aufnahmen. Sie zeigen das hochschwangere Starmodell in utopischen Szenen auf einem Luftkissenfahrzeug und inmitten von Stahlwerkern.cite-ref-luftkissen-3-0[3] Milla wĂŒnscht sich jedoch realistische, authentische Fotos und schlĂ€gt ein weiteres Shooting vor.

Nach einem Abend im „Club 3001“ fĂ€hrt Finn in seinem Austin-Healey ĂŒber eine RheinbrĂŒcke zurĂŒck zum Atelier. Er hört Musik ĂŒber Ohrhörer und hĂ€lt die Kamera fĂŒr eine Panoramaaufnahme aus dem Dach des Cabriolets, als er in letzter Sekunde einem Geisterfahrer ausweichen kann. Er schießt spontan ein Foto vom Gesicht des Mannes, der ihn vom RĂŒcksitz des vorbeiziehenden Fahrzeuges aus anblickt. Geschockt davon parkt er sein Auto kurz darauf am Straßenrand, nimmt seine Tasche und sucht die nĂ€chste Kneipe auf. StĂ€ndig die Bilder eines tragisch endenden Unfalls in Gedanken vor sich, wĂ€hlt Finn in der Musikbox den Titel Some Kinda Love von The Velvet Underground. Daraufhin sieht er in Gedanken Lou Reed vor sich stehen, der ihm den Text vorspricht und ihn fragt, wovor er sich am meisten fĂŒrchte, ob das der Tod sei?

Finn geht weiter durch die nĂ€chtlichen Straßen und Parks von DĂŒsseldorf. Er geht im Traum durch die Katakomben von Palermo, seine Mutter auf dem RĂŒcken tragend, die ihm die Augen zuhĂ€lt. Mit dem Gedanken „Wie merkt man, dass man tot ist, wenn man nicht mehr trĂ€umt, oder nur noch trĂ€umt?“ wacht er im Morgengrauen in der Krone eines Baumes in den Rheinauen auf. Unter ihm weidet eine Schafherde, gehĂŒtet von einem mit dunklem Anzug, Hut und Gamaschen bekleideten Banker, der den SchĂ€fer-Job „gemietet“ hat, um, wie er sagt, die Zeit zu verlangsamen, wĂ€hrend er mittels seines Handys die Börse beobachtet. Der Banker vertieft sich mit Finn in ein GesprĂ€ch ĂŒber die Bedeutung der Zeit und meint, man mĂŒsse angesichts der VergĂ€nglichkeit des Lebens alles so tun, als sei es zum letzten Mal. Zum Schluss sagt er lĂ€chelnd: „Man muss eben alles todernst nehmen, nur sich selber nicht.“ Da fĂ€hrt auf dem Rhein ein Frachtschiff mit dem Namen „Palermo“ vorbei. Der Name komme vom griechischen „Panormos“ und bedeute „All-Hafen“, wie ihm der Banker erklĂ€rt.

Palermo

Am nĂ€chsten Tag schaut sich Finn Bilder von Palermo an, wo er noch nie gewesen ist, ordert kurzfristig den Privatjet eines Bekannten und fliegt mit einer Hand voll Mitarbeiter und Milla in die sizilianische Stadt. In einer Altbauwohnung macht er kĂŒnstlerische Aktfotos der schwangeren Frau. Anschließend verabschiedet er sich von Milla und ordnet seinem Team an, alles abzubauen und nach Hause zu fliegen. Er selbst bleibt in Palermo und geht zunĂ€chst durch die Altstadt, dabei hört er Musik und nimmt die tatsĂ€chlichen GerĂ€usche kaum wahr. Auch am Quattro Canti, wo er am Brunnen vor dem Castellamare erneut von seinen AlbtrĂ€umen eingeholt wird – nur knapp verfehlt ihn ein Pfeil, der sich jedoch in Luft auflöst.

Abends im Hotel besĂ€uft sich Finn und versinkt weinend in Selbstmitleid. Am nĂ€chsten Tag verfehlt ihn am Cortile della Morte wieder knapp ein Pfeil, als er mit seiner Kamera eine Gestalt im Lodenmantel verfolgt. Kurz darauf begegnet er der in Palermo lebenden Fotografin Letizia Battaglia, die ihm erzĂ€hlt, dass es in Palermo viele Tote gebe, die sie fotografiert, um „sie zu ehren, an sie zu erinnern, damit sie nicht in Vergessenheit geraten“. Wenig spĂ€ter, als Finn auf dem Dach eines Hauses ĂŒber der Stadt die Kamera auf einen ĂŒber ihm kreisenden Greifvogel hĂ€lt, wird er erneut beschossen. Diesmal trifft der Pfeil seine Kamera, die im hohen Bogen durch die Luft fliegt, auf dem Boden landet und nun defekt ist.

In der Altstadt trifft Finn auf die attraktive Flavia, die im Museum des Palazzo Abatellis als Restauratorin an dem Fresko Il Trionfo della Morte (Der Triumph des Todes) arbeitet. Als er ihr am Hafen die Geschichte von dem „Irren im grauen Mantel“ erzĂ€hlt, glaubt er den BogenschĂŒtzen auf einem Baukran zu entdecken und stĂŒrzt im selben Moment, an der Schulter getroffen, rĂŒckwĂ€rts ins Hafenbecken. Finn geht unter und mit ihm seine Kamera. Fast scheint dies fĂŒr Finn das Ende, denn er kann nicht schwimmen. Flavia leistet jedoch Erste Hilfe und holt ihn ins Leben zurĂŒck. Auch das PDA, das Finn vor dem Sturz ins Wasser verloren hat, kann Flavia retten.

Flavia bietet Finn ein Quartier in ihrer Wohnung an und hört ihm zu. Auch sie hatte eine Begegnung mit dem Tod, als ihr LebensgefĂ€hrte wĂ€hrend seiner Arbeit als Restaurator vom Dach fiel und starb. Nach einem romantischen Abend in Flavias Wohnung steht Finn frĂŒh auf und erkundet erneut die Altstadt. Ohne Kopfhörer nimmt er, scheinbar befreit, das Leben wahr. Als die MarktstĂ€nde öffnen, kauft er Obst, entspannt redet er mit HĂ€ndlern und spielt in den Gassen mit Kindern Fußball.

Als er nach der RĂŒckkehr in Flavias Wohnung ein Foto von seinem PDA am Rechner vergrĂ¶ĂŸert, auf dem das Gesicht des BogenschĂŒtzen in einem geöffneten Fenster im obersten Stock eines der PalĂ€ste am Quattro Canti deutlich zu sehen ist, verlĂ€sst Finn fluchtartig die Wohnung. Von einem der Brunnen aus betrachtet er den Palast Monte di PietĂ . In seinen Gedanken verfolgt er sich selbst auf dem Weg durch das GebĂ€ude, sieht sich selbst als den SchĂŒtzen, dessen Pfeil den am Brunnen sitzenden Finn direkt in den Kehlkopf trifft. Als er in das GebĂ€ude eilt, taucht Flavia auf und ĂŒberredet ihn, die Stadt zu verlassen, um ihm einen ganz besonderen Ort zu zeigen.

Gangi

Mit der Vespa fahren die beiden nach Gangi, wo Flavia eine glĂŒckliche Kindheit bei der Großmutter verbracht hat. In der DĂ€mmerung fĂŒhrt sie Finn in das unbewohnte Haus, in dem ihre Großmutter bis kurz vor ihrem Tod als Ärztin gearbeitet hat. Der Strom ist abgeschaltet, es gibt nur eine Gaslaterne. Bald sitzen die beiden sich die HĂ€nde haltend im Bett, das wenig spĂ€ter im Freien steht. Flavia spricht schĂŒchtern von ihrer „Angst vor Eros und seinen Pfeilen“ und es kommt zu einem Kuss.

Nachdem Flavia eingeschlafen ist, steigt Finn mit der Laterne in der Hand die Kellertreppe hinunter, öffnet eine TĂŒre und befindet sich auf der Empore eines riesigen Archivs. Ihm gegenĂŒber steht der mysteriöse Mann im grauen Mantel, der sich als der Tod, Freund, Begleiter und WĂ€chter der Zeit vorstellt. „Der Tod ist ein Pfeil aus der Zukunft, der auf dich zufliegt,“ sagt er und wirft Finn zudem vor, dass er zuerst auf ihn „geschossen“ habe. Es dĂŒrfe kein Foto von ihm geben, meint er.

Finn versucht zunĂ€chst ĂŒber die nicht endende Wendeltreppe zu flĂŒchten. Sein Hilfeschrei hallt durch den gigantischen Raum, den unendlich hohe SĂ€ulen stĂŒtzen. Doch die Gestalt des Todes holt ihn immer wieder ein. Der Tod klagt ĂŒber die zunehmende Arbeit, die er habe, und beschwert sich ĂŒber das schlechte Bild, das die Menschen von ihm hĂ€tten. Er sei die VerbindungstĂŒre und keine Sackgasse. Kein Mensch sei glĂŒcklich, bis er nicht tot sei. Von Finns verstĂ€ndnisvoller Frage „Kann ich irgendwas fĂŒr Sie tun?“ ist der Tod beeindruckt und umarmt ihn vĂ€terlich. Der Tod gibt Finn anschließend seine Kamera zurĂŒck, er solle ihn den Menschen so darstellen, dass sie ihn erkennen können. Der Tod lĂ€chelt hell erleuchtet in die Kamera und Finn drĂŒckt ab. Das Gesicht des glatzköpfigen alten Mannes verwandelt sich wĂ€hrend der Aufnahme in das Gesicht von Finns Mutter.

Mit dem Gedanken „Zum ersten Mal seit langem ist jetzt bloß jetzt“ wacht Finn in der Schlussszene neben Flavia auf und lĂ€chelt zufrieden.

Entstehung

Aufgrund einer Anfrage der Stadt Palermo im Jahr 2000 befasste sich Wim Wenders mit dem Gedanken, einen Film ĂŒber die sizilianische Metropole zu drehen. Er wollte den Charakter der Stadt herausstellen, die er als „grotesk und lĂ€rmend auf der einen Seite, großartig und labil auf der anderen, tief verletzt, aber nicht totzukriegen“ bezeichnet. Es sollte auf keinen Fall ein Film ĂŒber die Mafia werden. Grundlage fĂŒr die Rahmenhandlung war das Fresko „Il Trionfo della Morte“ (Der Triumph des Todes) aus dem 15. Jahrhundert im Palazzo Abatellis. Die Wandmalerei zeigt den Tod als apokalyptischen Reiter, der mit Pfeilen seine Opfer erlegt.

Wenders erstellte eine Biografie fĂŒr die Rolle der Hauptfigur und schrieb einen Brief an seine Mitarbeiter, wie er sich das GerĂŒst des Films vorstellte. Das Drehbuch legte er jedoch nicht fest, es sollte sich im Laufe der Dreharbeiten ergeben. Die gesprochenen Texte entstanden in Zusammenarbeit mit den Darstellern.cite-ref-dvd-4-0[4]

Musik

Ein Hauptthema des Films sollte die Rockmusik sein, die sich nach Wenders Auffassung wesentlich mutiger und tiefergehender mit der Sinnsuche befasst, als es der Spielfilm in den letzten Jahrzehnten getan hat. Laut Wim Wenders

„[
] lag die Musik von Anfang an allen Überlegungen zugrunde, sie war schon da, bevor es ĂŒberhaupt ein Drehbuch gab. Sie war letztlich der Grund, weshalb ich diese Figur des Fotografen Finn und diese Geschichte ĂŒberhaupt erfinden wollte.cite-ref-dvd-4-1[4]“

Titelliste

1. Dream (Song for Finn), Grinderman
2. Busy Hope, Get Well Soon
4. Flavias Thema, Irmin Schmidt
5. Freedom Hangs Like Heaven, Iron & Wine
6. It’s a Departure, John Roderick
7. The Black Light, Calexico
8. Some Kinda Love, The Velvet Underground
9. Beds in the East, Thom
10. Trompete 2 Fresco, Irmin Schmidt
11. Postcards From Italy, Beirut
12. Quello Che Non Ho, Fabrizio De André
13. We all Lose one Another, Jason Collet
15. My Impropriety, Monta
16. Let us Know, Sibylle Baier
17. Cello 1, bei Flavia, Irmin Schmidt
18. Quannu Moru, Rosa Balistreri
19. Song for Frank, Grinderman
20. Mysteries, Beth Gibbons
21. Good Friday, Get Well Sooncite-ref-5[5]

Die Grundlage fĂŒr den instrumentalen Soundtrack Irmin Schmidts bildet die Arie "Erbarme dich" aus Johann Sebastian Bachs MatthĂ€us-Passion, die in verschiedenen Variationen und Instrumentationen den gesamten Film durchzieht.cite-ref-6[6]

Drehorte

Wim Wenders ist in DĂŒsseldorf aufgewachsen und zur Schule gegangen.cite-ref-7[7] Dennoch ist Palermo Shooting der erste Spielfilm, den er teilweise an OriginalschauplĂ€tzen in DĂŒsseldorf aufgenommen hat.

Drehort fĂŒr die Aufnahmen von Finns Atelier und seines StreitgesprĂ€ches mit der Studentin war der Zollverein-Kubus in Essen, der heute von der Folkwang UniversitĂ€t der KĂŒnste fĂŒr Lehrveranstaltungen, Tagungen und Ausstellungen genutzt wird. Das Mode-Shooting mit Milla Jovovich wurde in der nahegelegenen Kokerei der Zeche Zollverein aufgenommen.cite-ref-luftkissen-3-1[3] Die Kneipenszene entstand im Neusser „Em Schwatte PĂ€d“, dem Ă€ltesten Gasthaus am Niederrhein. Lou Reed hat die Eckkneipe in Neuss allerdings nie betreten. Sein Auftritt wurde vor einem Greenscreen im Studio gedreht.cite-ref-dvd-4-2[4]

Auf Sizilien wurde außer in der Altstadt von Palermo in der 1.000 Meter hoch gelegenen Ortschaft Gangi gedreht. Der Dialog mit dem Tod am Ende des Films wurde in der großen Aula des Archivio Storico Comunale di Palermo, dem Stadtarchiv von Palermo, gedreht, einem Raum, in dem Akten aus fast 2000 Jahren Geschichte lagern.cite-ref-8[8]cite-ref-9[9]

Darsteller

FĂŒr die Rolle des Finn hatte Wenders von Anfang an Campino, den Frontmann der Band Die Toten Hosen vorgesehen. Wenders hatte fĂŒr sie das Musikvideo zum Song Warum werde ich nicht satt von dem Album Unsterblich gedreht. Der Text des Songs, der aus Campinos Feder stammt, weist Parallelen zu der Figur Finns auf.

Flavia sollte aussehen wie die Madonna Annunziata (Maria der VerkĂŒndigung) auf dem ÖlgemĂ€lde von Antonello da Messina, das ebenfalls im Museum Abatellis hĂ€ngt. Nach einem Casting fiel die Wahl auf Giovanna Mezzogiorno.cite-ref-dvd-4-3[4]

Hollywoodstar Dennis Hopper, der den Tod verkörpert, hat mit Wenders bereits 1977 in Der amerikanische Freund zusammengearbeitet.

Sebastian Blomberg spielt Finns Manager, Inga Busch seine Schwimmlehrerin, Jana Pallaske eine Filmstudentin und Udo Samel den Schafe hĂŒtenden Banker.

In Gastrollen sind Lou Reed, Milla Jovovich und Letizia Battaglia zu sehen. Als Statisten treten zudem die Mitglieder der Band Die Toten Hosen Andreas von Holst, Andreas Meurer, Michael Breitkopf und Vom Ritchie sowie deren Manager Jochen HĂŒlder und der Fotograf Peter Lindbergh in Erscheinung.

GekĂŒrzte Szenen

Die erste Fassung von Palermo Shooting war erst kurz vor der Premiere in Cannes fertig und 126 Minuten lang. Ein paar Wochen spĂ€ter fĂŒhrte das Team um Wenders den Film nochmals in Köln vor 250 Leuten als Test vor. Danach kĂŒrzte Wenders den Film um 18 Minuten. Das GesprĂ€ch mit einem Obdachlosen, gespielt von Wolfgang Michael, der sich eigens dafĂŒr das DĂŒsseldorfer Platt angeeignet hatte, enthielt zu viele Redundanzen zur anschließenden Kneipenszene mit Lou Reed. Den grĂ¶ĂŸten Teil der KĂŒrzung betraf jedoch die Mitte des Films, als Finn in der Altstadt von Palermo dem ehemaligen BĂŒrgermeister Leoluca Orlando begegnet, der mit seinen philosophischen Worten ĂŒber die Seele seiner Stadt die Aussage des Films vorwegnimmt. Des Weiteren wurden Einspielungen eines Cellokonzerts von Giovanni Sollima im Palazzo Butera, eine Partyszene und die PrĂ€sentation des Songs Ghost Dance bei einem Livekonzert von Patti Smith gestrichen.

Kritiken

Bert Rebhandl meint in der FAZ, Wim Wenders wage sich „in ‚Palermo Shooting‘ weiter denn je in seiner Karriere auf allegorisches Terrain. Er erzĂ€hlt eine neue Variation des ‚Jedermann‘, dem Spiel vom Sterben des reichen Mannes. Nur geht es bei Wenders nicht um Reichtum und gute Werke und gerechtfertigte Ewigkeit, sondern um die Gefahr, das Leben dadurch zu verfehlen, dass es nie in seiner grundsĂ€tzlichen Dimension in den Blick kommt. Es geht um eine spezifische Form von Blindheit, die hĂ€ufig mit dem Erfolg einhergeht.“ Der Fotograf Finn mĂŒsse „seine ursprĂŒngliche Berufung wiederentdecken“, nĂ€mlich das Fotografieren nicht als „Feier der OberflĂ€chen“ zu verstehen, sondern als „Verewigung der Substanz“, als Blick durch die OberflĂ€che hindurch auf das Wesentliche. Rebhandl moniert allerdings auch, dass Wenders sich in seinem Film, „der wesentlich vom Sehen handelt, selbst blind fĂŒr die Last der Bedeutung zeige, mit der er den Blick verstellt“; die Personen und Handlungen seien so mit Bedeutungen aufgeladen, dass sie unlebendig und wenig authentisch wirkten.cite-ref-10[10]

Constantin Magnis vom Cicero sieht in Palermo Shooting eine allegorische Saulus-Paulus-Fabel, die sich mit dem feinen Ernst der Goethezeit mit den letzten Fragen beschÀftige und diese sehr orthodox beantworte.cite-ref-11[11]

Der Film vereine „tolle Musik mit bezaubernden Bildern – und einem Hang zum grobgezimmerten Mysterienspiel“, befindet Wolfgang Höbel im Spiegel und lobt „die Kunst des Filmemachers, dass er ein starres, tausend mal mit dem immer gleichen Blaff-Ausdruck hergezeigtes Antlitz wie das des Tote-Hosen-SĂ€ngers Campino wieder interessant und geheimnisvoll und lebendig erscheinen lĂ€sst, als sĂ€he man’s praktisch zum ersten Mal.“cite-ref-12[12] Lars-Olav Beier hingegen bemĂ€ngelt, dass „Wenders’ Reflexion ĂŒber Schein und Sein, ĂŒber Leben und Tod sehr prĂ€tentiös geraten“ sei, und die „gestelzten DialogsĂ€tze und schlaksigen Bewegungen des Hauptdarstellers“ nicht so recht zusammenpassen wollen.cite-ref-13[13]

Als „morbide Meditation ĂŒber den Tod“, in der gleichfalls ein deutscher KĂŒnstler im Zentrum stehe, „der von LebensĂŒberdruss und Todesahnung gequĂ€lt wird, nach Italien reist, und dort zuerst eine Liebe findet und dann dem Tod begegnet“, beschreibt RĂŒdiger Suchsland Palermo Shooting in seiner Rezension bei Telepolis, und nimmt dabei Bezug auf den Film Tod in Venedig nach einer Novelle von Thomas Mann. Er bezeichnet Wenders’ Werk als „Seniorenkino“, das „alte Autos, alte Kameras, alte HĂ€user, alte MĂ€nner“ zeige, „und auch Wenders’ Bilder sehen alle mindestens 30 Jahre alt aus“ und als „Quasselfilm“ mit schlecht formuliertem esoterischem „Geschwurbel“.cite-ref-14[14]

Das Lexikon des internationalen Films erkennt in Palermo Shooting ein „metaphysisches AussteigermĂ€rchen mit exquisitem Soundtrack und vorzĂŒglicher Kameraarbeit, die das existenzialistische Pathos der Hauptfigur jedoch unfreiwillig karikiert. Die pseudophilosophischen Dialoge ĂŒber den Lebens- und Todessinn wirken ebenso angestrengt wie die Reflexionen ĂŒber Sein und Schein von Fotografie.“cite-ref-15[15]

Peter Brunette vom The Hollywood Reporter sagte in seiner insgesamt negativen Kritik, dass jedes Mal wenn es philosophisch werde, die Dialoge geschwollen und banal klĂ€ngen; insgesamt erreiche Wenders mit diesem Film „of startling and embarrassing banality and, yes, even silliness“, einen neuen Tiefpunkt.cite-ref-16[16] FĂŒr Todd McCarthy von Variety könne auch Giovanna Mezzogiorno, die in dem Dialog ĂŒber die persönliche Tragödie Campino zeige, wie wenig er ein Schauspieler sei, den Film nicht vor seiner DĂŒmmlichkeit retten. McCarthy berichtet zudem von den Filmfestspielen in Cannes, dass Wenders Widmung fĂŒr Ingmar Bergman und Michelangelo Antonioni im Filmabspann Spott beim Screening hervorgerufen habe, vermutlich wegen der Diskrepanz zwischen dem Werk dieser verstorbenen Filmautoren und dem, was gerade gezeigt worden sei.cite-ref-17[17] Insgesamt kommt der Film in der amerikanischen Kritik nicht gut weg und selbst auf Rotten Tomatoes wird nicht eine Kritikerstimme gelistet.cite-ref-18[18]

Lobende Worte fĂŒr die Filmmusik findet die Musikpresse. Im Musikexpress etwa heißt es, das sei „ein reißender Strom auf die MĂŒhlen all derer, die Wim Wenders seit Jahr und Tag ankreiden, er könne keine Geschichten erzĂ€hlen und könne seine verkanteten und bedeutungsschwangeren Bilder nur dann mit Leben fĂŒllen, wenn er einen ordentlichen Song auf dem Soundtrack habe, der den Rhythmus vorgibt.“cite-ref-19[19]

Auszeichnungen

Die Filmeditoren Peter Przygodda, Mirko Scheel und Oli Weiss erhielten 2009 eine Nominierung fĂŒr den Deutschen Filmpreis.cite-ref-20[20]

Weblinks

Commons

: Palermo Shooting

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Palermo Shooting bei IMDb
‱ Palermo Shooting bei filmportal.de
‱ Filmprofil auf der offiziellen WebprĂ€senz der Filmfestspiele von Cannes (englisch)

Einzelnachweise

cite-note-fsk-11. Freigabebescheinigung fĂŒr Palermo Shooting. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, September 2008 (PDF; PrĂŒf­nummer: 115 218 K).
cite-note-jmk-22. Alterskennzeichnung fĂŒr Palermo Shooting. Jugendmedien­kommission.
cite-note-luftkissen-33. ↑ Wolfgang Höbel: MontĂ©e Hovercraft im neuen Wim Wenders Film ‚Palermo Shooting‘. MontĂ©e Teambuilding, 8. April 2010, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 2. November 2013; abgerufen am 31. Oktober 2013.
cite-note-dvd-44. ↑ Doppel-DVD Palermo Shooting mit Begleitinformationen ĂŒber die Dreharbeiten, einer PDF-Datei und dem Dokumentarfilm Shooting Palermo von Hella Wenders. 88697 38267 9.
cite-note-55. ↑ Palermo Shooting (Soundtrack), City Slang (Universal), 2008.
cite-note-66. ↑ Stuttgarter Zeitung: Ludwigsburger Schlossfestspiele: Filmmusik von Irmin Schmidt. Abgerufen am 14. Januar 2026.
cite-note-77. ↑ Holger Lodahl, Dagmar Haas-Pilwat: Wim Wenders feiert mit seinen 500 Freunden. Artikel vom 18. April 2015 im Portal rp-online.de, abgerufen am 3. September 2015
cite-note-88. ↑ Ralf KrĂ€mer: Wim Wenders: Als Fotograf bin ich ĂŒberhaupt nicht ĂŒberzeugt von der digitalen Technik. Planet Interview, 25. November 2008, abgerufen am 31. Oktober 2013.
cite-note-99. ↑ Lars-Olav Beier: Der sizilianische Freund. Der Spiegel, 31. Dezember 2007, abgerufen am 31. Oktober 2013.
cite-note-1010. ↑ Bert Rebhandl: Jedermann ist blind. FAZ vom 19. November 2008, abgerufen am 30. November 2020
cite-note-1111. ↑ Constantin Magnis: Das Glaubensbekenntnis des Wim Wenders. Cicero, 19. Dezember 2008, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 5. Juni 2014; abgerufen am 31. Oktober 2013.
cite-note-1212. ↑ Wim Wenders’ ‘Palermo Shooting’ (Memento vom 24. Dezember 2008 im Internet Archive)
cite-note-1313. ↑ Lars-Olav Beier: Cannes-Tagebuch: Ein Schiff wird kommen. Spiegel Online, 24. Mai 2008, abgerufen am 31. Oktober 2013.
cite-note-1414. ↑ RĂŒdiger Suchsland: Buhs und GelĂ€chter fĂŒr Wim Wenders. Telepolis, 24. Mai 2008, abgerufen am 31. Oktober 2013.
cite-note-1515. ↑ Palermo Shooting. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 2. MĂ€rz 2017.
cite-note-1616. ↑ Peter Brunette: The Palermo Shooting. The Hollywood Reporter, 23. Mai 2008, abgerufen am 4. Januar 2024.
cite-note-1717. ↑ Todd McCarthy: Palermo Shooting. Variety, 25. Mai 2008, abgerufen am 4. Januar 2024.
cite-note-1818. ↑ Palermo Shooting bei Rotten Tomatoes (englisch)
cite-note-1919. ↑ Tomasso Schultze: Wim Wenders bleibt sich treu. Alle anderen wundern sich. In: Musikexpress. Nr. 12, 2008, S. 94.
cite-note-2020. ↑ Deutscher Filmpreis: Die Nominierungen im Überblick. Die Welt, 13. MĂ€rz 2009, abgerufen am 31. Oktober 2013.